„Don’t lecture me“ – opco11

Studiumdigitale, die zentrale eLearning-Einrichtung der Goethe-Universität in Frankfurt am Main veranstaltet gemeinsam mit hochkarätigen Experten einen Open Course mit dem Thema „Die Zukunft des Lernens“. Der Kurs wird in Form eines MOOC durchgeführt, was soviel wie Massive Open Online Course bedeutet. Wer sich darunter nichts vorstellen kann bekommt in diesem kurzen YouTube-Video einen guten Einstieg in das Thema.

Nachdem ich mich für den amerikanischen Vorläufer dieses Kurses(den „plenk2010“) zwar angemeldet aber aus Zeitmangel nicht wirklich teilgenommen habe, möchte ich diesmal vertieft einsteigen und konkrete Erfahrungen sammeln.

Teil der „Leseliste“ für die erste Kurswoche ist eine Keynote von Donald Clark vom Herbst 2010 mit dem Titel „Don’t lecture me“

Die Keynote ist im Wesentlichen eine Breitseite gegen die klassische Vorlesung. Wir alle kennen ja die „Power-Point Fatigue“ die uns in todlangweiligen Vorträgen erfasst. Donald Clark ist ein Freund klarer Worte und zieht mit Verve und breitem schottischen Akzent gegen dieses „mittelalterliche Überbleibsel“ (ca. min 30:00 im Vortrag) zu Felde. Seine Argumente gegen die Vorlesung sind stichhaltig und nicht neu.

Der Haken an der Sache – und der Grund warum ich bei diesem Vortrag hängen geblieben bin – ist der Widerspruch in Form einer Vorlesung die Vorlesung zu demontieren. Donald Clark ist sich dieses Widerspruchs bewusst und sagt ganz am Beginn seines Vortrags:

I’m in a rather awkward situation here, because I’m going to really attack the lecture as a concept – it’s a sort of hopeless pedagogic technique – but I’m here giving one. And of course I’m well aware of the contradiction, but that’s the way of the world unfortunately.

Als ich das hörte wurde ich spontan an meine Studienzeit an der PH – und damit 25 Jahre – zurückversetzt. Dort wurde uns immer wieder vermittelt, dass der Frontalunterricht ein überholtes und schlechtes Vermittlungskonzept sei. Seltsamerweise passierte dies ausnahmslos in Form von Frontalunterricht, und schon damals fragte ich mich woher dieser Widerspruch kommt (und warum er niemandem aufzufallen schien).

Auch Donald Clark kann diesen Widerspruch nicht wirklich auflösen. Am Beginn des Vortrags sagt er „dass die Dinge halt eben so sind“ (siehe oben). Als er nach dem Ende des Vortrags (ca. min 41:00) von einer Zuhörerin gefragt wird, wie er seine Gedanken sonst hättte vermitteln wollen, wirkt er zunächst nicht ganz sattelfest. Er zählt seine verschiedenen Online-Aktivitäten auf, merkt an, dass alles was er erzählt hat auch in seinem Blog nachzulesen ist, und dass er Konferenzen generell „komisch“ findet. Am Ende seiner Antwort sagt er aber:

„In other words, I think we should all be focusing our attention on a different mix, which is more online than offline.“

Dies ist in meinen Augen der springende Punkt: Natürlich müssen wir die „Powerpoint-Schlacht“ als das dominierende Modell der Vermittlung überwinden. Den Vortrag bzw. die Vorlesung generell aus dem pädagogischen Methodenrepertoire streichen zu wollen schießt aber über das Ziel hinaus. Ein guter Vortrag von einer Person die gut vorbereitet über ein Thema spricht das sie wirklich interessiert bleibt ein wertvolles Instrument.

eLearning bietet hier die Möglichkeit den Vortrag von zeitlichen und räumlichen Einschränkungen zu befreien und anders einzusetzen. Besonders in Blended-Learning Settings kann die Umkehrung der herkömmlichen Didaktik neue Möglichkeiten eröffnen, indem der Vortrag online zur Verfügung gestellt wird damit ich die Präsenzzeit für Anwendung, Diskussion und kollaborative Lernprozesse nutzen kann.

Der Vortrag von Donald Clark geht noch auf viele weitere Aspekte und Probleme der Lehre an der Hochschule ein und ist wirklich hörenswert.

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Hier noch meine chaotischen Notizen zum Vortrag – ein Transkript findet sich unter:
http://repository.alt.ac.uk/841/1/ALTC_2010_Keynote_DonaldClark_transcript_20101105.pdf

„Don’t lecture me“

Keynote Speech by Donald Clark

schottischer akzent

…because I’m really gonna attack the lecture as a concept (…) as a hopeless pedagogic technique, but I’m here giving one.

And of course I am well aware of the contradiction

6:15: I am not absolutely against lectures per se if they are good
people have higher degrees of retention when they listen to an expert

9:00 Video: anyone, anyone

lecture hiess früher reading / Vorlesung
Anekdote: Isaac Newton hielt seine Vorlesung auch, wenn niemand auftauchte

18:30 all the others absolutely hate undergraduates and wanted nothing to do with them- strong disrespect

Vorlesung = Massenmedium der Bildung

sehr interessant: schwache Studenten vorne, gute Studenten in die ecken = rising Performance

ca. 24:50 „I think its absolutely morally bankrupt
that pople don’t record lectures, i think ist unbelievable“ – Vergleich mitt einem Autor der sein Buch nur einmal vorliest und nicht publiziert. Vor allem beim Lernen ist Wiederholung wichtig

Argument fur electure! Studenten lernten viel mehr.

27:00 whats the point of the recording lecture when it is shit.

27:40: „better to see a first class lecture on video than a mediocre in the flesh“

shorten the lecture, weil nach 20 Minuten sinkt die Leistung

Vorlesung = mittelalterliches überbleibsel (30:00)

32:00 nicht zimperlich gegen Gagné: Lernziele vorher mitteilen ist wie ins Kino gehen und zuerst die Handlung erzählt bekommen…

33:00 it makes no sense not to record them

Argumente gegen die lecture

1 why one hour
2 Tyranny of time
3 Tyranny of location
4 Psychological Attention
5 cognitive overload
6 episodic and semantic memory
7 learn by doing = geht nicht bei Vorl.
8 spaced practice = ebbinghaus = es braucht Wiederholungen, man lernt nichts auf einmal
9 not collaborative
10 personalty problems researchers are not teachers

39:50: Seitenhieb auf second life: it’s crap enough in the real world und was machen sie in second life: einen hörsaal!

41:00 ende des Vortrags
Erste Frage: Greift den Widerspruch auf: knocking the lecture by giving the lecture
antwort= blog, twitter, Facebook, scale the audience mehr Leute erreichen TED is okay, but i don’t pay 3000 USD um da hinzugehen…..hmm

dann geht er auf den mix ein
„we should focus on a different mix which is more online than offline“

Trennung zwischen Forscher und Lehrer
completely different skillets
„it is literally impossible to get sacked from a university for bad teaching“

Prophezeit grosse Zukunft des Fernstudiums:
You will be able to study at a distance to a degree you did…

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6 Gedanken zu „„Don’t lecture me“ – opco11

  1. Pingback: “Don’t lecture me” – opco11 | intRUnet

  2. Pingback: Schopenhauer zu #opco11 « GI Tel Aviv

  3. Pingback: oulblog | “Don’t lecture me” – opco11 | Online unterstützt lernen

  4. Eigentlich wollen wir auch aufzeichnen und waren auch sicher, es während der Session getan zu haben. Leider suchen wir (und das ist wörtlich zu nehmen) mit Hilfe des ustream-Supports noch nach der Aufzeichnung. Das fällt wohl unter „Lernerfahrungen“ …
    Beste Grüße, JR

  5. Hallo Herr Robes,
    Danke für das Feedback und den Link zu Stephen Downes! Muss ich mir sobald möglich ansehen.
    Ich war gestern anfangs bei der Ustream-Übertragung eingeloggt, musste dann aber weg. Täusche ich mich, oder gibt es bei ustream keine Aufzeichnung der Sessions?
    Falls das so ist möchte ich anregen wenn möglich auf Adobe Connect umzusteigen, damit wir die zeitliche Unabhängigkeit und damit einen der Hauptvorteile von eLearning nutzen können…

    Jedenfalls bin ich schon gespannt wies weitergeht und bedanke mich für Ihr Engagement,

    beste Grüße,
    Frank Weber

  6. Danke für die ausführliche Zusammenfassung dieses Vortrags! Und wir machen ja in unseren Online-Sessions im Rahmen dieses OpenCourses eine ähnliche Erfahrung (vielleicht sollten wir auch klarer darauf hinweisen, dass wir hier in Teilen einen Widerspruch praktizieren …).

    Aber was mir bei Donald Clark einfällt: Es gibt eine Präsentation und direkte Antwort von Stephen Downes: „The Lecture Must Stand“
    http://www.downes.ca/presentation/272

    Ist vielleicht in diesem Zusammenhang ganz interessant.
    Beste Grüße, JR

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